Die ersten Wehen können aufregend, schmerzhaft und zugleich überraschend uneindeutig sein. Entscheidend ist nicht nur der Abstand zwischen den Wehen, sondern auch ihre Stärke, die Schwangerschaftswoche, ein möglicher Blasensprung und dein persönliches Geburtsrisiko. Ich zeige dir, wann du in Deutschland den Kreißsaal anrufen, dich auf den Weg machen oder sofort den Notruf 112 wählen solltest.
Diese Zeichen helfen bei der Entscheidung
- Regelmäßige Wehen etwa alle 5 Minuten über ungefähr 1 Stunde sind beim ersten Kind eine wichtige Orientierung.
- Bei weiteren Geburten solltest du meist früher losfahren, häufig bereits bei Wehen alle 10 Minuten.
- Fruchtwasserabgang, stärkere Blutungen oder deutlich weniger Kindsbewegungen gehören zeitnah in die Geburtsklinik.
- Grünes oder bräunliches Fruchtwasser, starke Dauerschmerzen oder Pressdrang müssen sofort abgeklärt werden.
- Vor der 37. Schwangerschaftswoche gelten Wehen oder Flüssigkeitsabgang als Grund, direkt die Klinik zu kontaktieren.

Bei welchen Wehen ist es Zeit für das Krankenhaus
Als praktische Faustregel gilt beim ersten Kind: Die Wehen kommen etwa eine Stunde lang regelmäßig alle 5 Minuten, dauern ungefähr 60 Sekunden und sind so kräftig, dass du dich währenddessen nicht mehr gut unterhalten oder ablenken kannst. Dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, den Kreißsaal anzurufen und die Abfahrt zu organisieren.
Bei einer weiteren Geburt kann die Eröffnungsphase deutlich schneller verlaufen. Hier ist es sinnvoll, schon bei Wehen im Abstand von rund 10 Minuten Kontakt zur Geburtsklinik aufzunehmen. Wer bereits eine sehr schnelle Geburt erlebt hat, weit von der Klinik entfernt wohnt oder eine Risikoschwangerschaft hat, sollte den individuellen Zeitpunkt vorher mit Hebamme oder Ärztin besprechen.
| Situation | Orientierung | Was ich dir rate |
|---|---|---|
| Erstes Kind | Wehen alle 5 Minuten, etwa 60 Sekunden lang, über circa 1 Stunde | Kreißsaal anrufen und losfahren, wenn die Klinik dies bestätigt |
| Zweites oder weiteres Kind | Regelmäßige Wehen bereits etwa alle 10 Minuten | Früher melden, da der Geburtsverlauf rascher sein kann |
| Sehr kurze Abstände | Wehen alle 2 bis 3 Minuten oder starker Pressdrang | Nicht abwarten, sondern sofort Hilfe organisieren |
Die Abstände misst du am besten vom Beginn einer Wehe bis zum Beginn der nächsten. Eine Geburts-App kann dabei helfen, ersetzt aber keine medizinische Einschätzung. Die Vorgaben deiner Geburtsklinik haben Vorrang, weil sie deine Vorgeschichte und die Entfernung kennen.
Übungswehen und echte Geburtswehen unterscheiden
Vorwehen oder Übungswehen fühlen sich oft wie ein harter Bauch oder menstruationsähnliches Ziehen an. Sie sind meist unregelmäßig, werden nicht stetig stärker und lassen teilweise nach, wenn du dich ausruhst, die Position wechselst oder warm duschst.
Geburtswehen entwickeln dagegen meist einen klaren Rhythmus. Sie werden im Verlauf länger, kräftiger und häufiger. Oft musst du während der Wehe innehalten, bewusst atmen und dich ganz auf deinen Körper konzentrieren. Trotzdem gibt es keinen perfekten Test für zu Hause: Gerade am Anfang können sich beide Formen ähnlich anfühlen.
So beobachtest du den Verlauf sinnvoll
- Notiere Beginn, Dauer und Abstand von mindestens fünf bis sechs Wehen.
- Achte darauf, ob die Wehen bei Bewegung zunehmen oder bei Ruhe verschwinden.
- Trinke etwas und versuche, dich zwischen den Wehen zu entspannen.
- Rufe den Kreißsaal an, wenn du unsicher bist oder die Wehen regelmäßig stärker werden.
Ich halte wenig davon, sich zwanghaft an eine einzelne Minutenzahl zu klammern. Die Gesamtentwicklung ist wichtiger als ein einmaliger Abstand von genau fünf Minuten. Wenn dein Gefühl sagt, dass sich etwas deutlich verändert hat, ist ein Anruf in der Klinik vernünftig und keineswegs übertrieben.
Wann du auch ohne regelmäßige Wehen in die Klinik musst
Ein Blasensprung bedeutet, dass Fruchtwasser aus der Scheide austritt. Das kann schwallartig passieren, aber auch nur tröpfeln. Bei jedem Verdacht solltest du den Kreißsaal direkt anrufen, auch wenn du noch keine Wehen hast. Verwende eine Binde, kein Tampon, und achte auf Menge, Farbe und Geruch der Flüssigkeit.
Klares oder leicht milchiges Fruchtwasser ist häufig unauffällig, muss aber trotzdem abgeklärt werden. Grünes oder bräunliches Fruchtwasser kann auf eine Belastung des Kindes hinweisen. In diesem Fall solltest du dich sofort in die Klinik begeben und nicht erst auf regelmäßige Wehen warten.
Eine leichte, schleimige und rosa oder bräunliche Blutbeimengung kann als sogenannte Zeichnungsblutung auftreten. Frisches hellrotes Blut, eine Blutung ähnlich der Menstruation oder Blutung zusammen mit starken Schmerzen ist dagegen ein dringender Grund für die sofortige Abklärung.
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Diese Warnzeichen solltest du ernst nehmen
- deutlich weniger oder keine Kindsbewegungen
- starke Schmerzen, die nicht in Wellen kommen, oder ein dauerhaft harter Bauch
- starke vaginale Blutungen
- grünes, bräunliches oder unangenehm riechendes Fruchtwasser
- Schwindel, Kreislaufprobleme, Atemnot oder Ohnmacht
- starker Druck nach unten, Pressdrang oder das Gefühl, dass das Kind unmittelbar kommt
- Wehen oder Fruchtwasserabgang vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche
Bei starken Blutungen, Ohnmacht, heftigen Dauerschmerzen, sichtbarer Nabelschnur oder unmittelbar bevorstehender Geburt wählst du in Deutschland 112. Fahre dann nicht selbst und bleibe möglichst nicht allein.
Was beim Blasensprung und auf dem Weg wichtig ist
Wenn die Fruchtblase springt, legst du dich nicht automatisch hin. Entscheidend ist, was die Geburtsklinik nach dem Telefonat empfiehlt. Bei einem bekannten Beckenendlage- oder Querlagekind, einem noch nicht fest im Becken liegenden Köpfchen oder auffälligem Flüssigkeitsabgang kann ein liegender Transport erforderlich sein.
Für die Fahrt reichen zunächst eine saugfähige Binde oder ein Handtuch, bequeme Kleidung und deine Krankenversicherungskarte. Nimm Mutterpass, wichtige Medikamente und die vorbereitete Kliniktasche mit, aber verliere bei Warnzeichen keine Zeit mit dem Packen.
Am besten ruft die Begleitperson den Kreißsaal an und beschreibt knapp, seit wann die Wehen bestehen, wie oft sie kommen, ob Fruchtwasser oder Blut abgegangen ist und wie sich das Baby bewegt. Die Klinik kann dir dann sagen, ob du sofort kommen sollst oder noch kurz zu Hause beobachten kannst.
Warum der Zeitpunkt je nach Geburt unterschiedlich ist
Bei der ersten Geburt dauert die frühe Eröffnungsphase häufig länger. Deshalb ist es bei unkompliziertem Verlauf oft möglich, die ersten Stunden in vertrauter Umgebung zu verbringen. Wärme, ruhige Bewegung, eine Dusche, Atemübungen und eine Kleinigkeit zu essen können diese Zeit angenehmer machen, sofern deine Hebamme nichts anderes empfohlen hat.
Bei weiteren Geburten kann sich der Muttermund schneller öffnen. Auch eine lange Anfahrt, eine geplante medizinische Betreuung oder frühere Komplikationen verändern die Empfehlung. Die Fünf-Minuten-Regel ist keine starre Vorschrift, sondern nur eine Orientierung für einen typischen Verlauf.
Wer mit einer Periduralanästhesie, einem Kaiserschnitt oder einer besonderen Überwachung plant, sollte den Ablauf schon vor dem Geburtstermin klären. Gleiches gilt bei Bluthochdruck, Diabetes, Mehrlingen, einer tief sitzenden Plazenta oder anderen Besonderheiten. In solchen Situationen kann die Klinik eine frühere Vorstellung verlangen.
Eine ruhige Entscheidung trotz Aufregung
Speichere die Telefonnummer deines Kreißsaals im Handy und lege Mutterpass, Tasche und Transportmöglichkeit rechtzeitig bereit. So musst du in der entscheidenden Phase nicht erst überlegen, wen du anrufst oder wie du zur Klinik kommst.
Wenn die Wehen regelmäßig stärker werden, die Abstände kürzer werden oder du dich zu Hause nicht mehr sicher fühlst, ruf an. Bei Blutungen, auffälligem Fruchtwasser, verminderten Kindsbewegungen oder heftigen Beschwerden zählt nicht die perfekte Wehenmessung, sondern eine schnelle medizinische Einschätzung.
Im Zweifel ist ein zusätzlicher Anruf bei Hebamme oder Kreißsaal die bessere Entscheidung als langes Abwarten. Jede Geburt verläuft anders, und die persönliche Vorgeschichte darf wichtiger sein als eine allgemeine Faustregel.