Die wichtigste Entscheidung fällt bei Menge und Häufigkeit
- Kleine Mengen sind in der Regel kein Anlass zur Panik.
- Regelmäßiger und reichlicher Verzehr sollte während der Schwangerschaft vermieden werden.
- Glycyrrhizin kann Blutdruck, Kaliumhaushalt und Wassereinlagerungen beeinflussen.
- Eine feste „sichere“ Lakritzmenge lässt sich kaum nennen, weil der Gehalt je nach Produkt stark schwankt.
- Bei Bluthochdruck, Ödemen oder Muskelschwäche sollte die Einnahme ärztlich abgeklärt werden.

Ist Lakritz in der Schwangerschaft erlaubt
Die kurze Antwort lautet: gelegentlich und in kleiner Menge meist ja, regelmäßig große Portionen besser nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät Schwangeren vorsorglich, auf einen dauerhaften Verzehr größerer Mengen zu verzichten. Das ist keine pauschale Verbotsregel, sondern eine vernünftige Vorsichtsmaßnahme.
Eine einzelne Handvoll Lakritz bedeutet normalerweise nicht, dass dem ungeborenen Kind unmittelbar geschadet wurde. Entscheidend ist vielmehr, ob daraus ein tägliches Muster wird, etwa mehrere Portionen pro Tag, Lakritztee zusätzlich zu Süßigkeiten oder stark konzentrierte Produkte über längere Zeit.
Auch gesund.bund.de empfiehlt, Lakritz während der Schwangerschaft nur in kleinen Mengen zu essen. Ich finde diese Formulierung hilfreicher als ein starres Ja oder Nein, weil sie das tatsächliche Risiko besser abbildet und unnötige Angst nach einem einzelnen Stück verhindert.Warum Glycyrrhizin problematisch werden kann
Lakritz wird aus der Süßholzwurzel hergestellt. Ihr typischer Geschmack stammt vor allem von Glycyrrhizin, einem pflanzlichen Inhaltsstoff, der den Mineralstoff- und Wasserhaushalt beeinflussen kann.
Bei häufigem und hohem Konsum kann der Körper mehr Natrium zurückhalten und Kalium verlieren. Mögliche Folgen sind erhöhter Blutdruck, Wassereinlagerungen und Muskelschwäche. Für Schwangere ist das besonders relevant, weil Blutdruck und Ödeme ohnehin regelmäßig kontrolliert werden und Beschwerden nicht vorschnell als normale Schwangerschaftserscheinung abgetan werden sollten.
Diskutiert wird außerdem, ob eine hohe Aufnahme die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinflussen könnte. Die bisherige Studienlage erlaubt jedoch keinen eindeutigen Nachweis. Das BfR bewertet diesen möglichen Zusammenhang derzeit als nicht belegt und hält weitere gut geplante Studien für notwendig. Daraus folgt für mich weder Entwarnung bei täglichem Starkkonsum noch ein Grund, nach einer kleinen Portion in Panik zu geraten.
Wie viel Lakritz ist eine kleine Menge
Eine genaue Zahl für alle Produkte gibt es nicht. Der Glycyrrhizingehalt kann stark schwanken, und auf der Verpackung steht häufig nicht, wie viel davon tatsächlich enthalten ist. Deshalb wäre es unseriös, eine bestimmte Anzahl von Lakritzschnecken als garantiert unbedenklich zu bezeichnen.
Das BfR nennt für Erwachsene allgemein eine Begrenzung der Glycyrrhizinaufnahme auf unter 100 Milligramm pro Tag. Schwangere sollten diese Zahl aber nicht als Freibrief verstehen, denn die tatsächliche Menge lässt sich beim Einkauf oft nicht zuverlässig berechnen. Die Empfehlung für die Schwangerschaft lautet deshalb praktischerweise, größere Mengen und regelmäßigen Konsum zu vermeiden.
| Situation | Sinnvolle Einordnung |
|---|---|
| Einzelne Lakritzschnecke oder kleine Portion | Meist kein Grund zur Sorge |
| Mehrmals pro Woche kleine Portionen | Besser reduzieren und Produktangaben prüfen |
| Täglicher Verzehr oder große Tüten | Während der Schwangerschaft möglichst vermeiden |
| Starklakritz oder sehr salzige Lakritze | Besonders zurückhaltend essen |
Bei Produkten mit mehr als 200 Milligramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm Lakritz spricht das BfR von einem hohen Gehalt. Steht auf der Packung „Starklakritz“ oder ein Hinweis auf einen besonders hohen Süßholzanteil, würde ich persönlich in der Schwangerschaft eher zu einer Alternative greifen.
Diese Produkte werden leicht übersehen
Viele denken nur an schwarze Bonbons oder Lakritzschnecken. Glycyrrhizin kann aber auch in Süßholztee, Kräutermischungen, Hustenmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln stecken. Gerade Tee wird oft als automatisch harmlos eingeschätzt, obwohl konzentrierte Pflanzenbestandteile nicht grundsätzlich unbedenklich sind.
Verpackung richtig lesen
Achten Sie in der Zutatenliste auf Begriffe wie Süßholz, Süßholzwurzelextrakt, Lakritz oder Glycyrrhizin. Bei einem höheren Gehalt muss ein Hinweis wie „enthält Süßholz“ auf der Verpackung stehen. Das hilft bei der Orientierung, ersetzt aber keine Mengenangabe.
Salmiaklakritz enthält zusätzlich Ammoniumchlorid. Eine gelegentliche kleine Menge ist nicht mit einer medizinischen Dosis gleichzusetzen, doch sehr salzige oder stark konzentrierte Sorten sind in der Schwangerschaft keine gute Naschgewohnheit. Wenn ein Produkt gleichzeitig sehr süß, stark salzig und als Starklakritz gekennzeichnet ist, würde ich es eher liegen lassen.
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Auch Arzneimittel und Tee prüfen
Wer regelmäßig einen Husten- oder Magenaufguss mit Süßholz trinkt, sollte die Anwendung mit Hebamme, Ärztin, Arzt oder Apotheke besprechen. Bei pflanzlichen Präparaten ist die Dosis entscheidender als das Wort „natürlich“. Das gilt besonders, wenn bereits Bluthochdruck, eine Nierenerkrankung oder Herz-Kreislauf-Probleme bestehen.
Was tun, wenn zu viel Lakritz gegessen wurde
Nach einer einmalig großen Portion gilt zunächst: nicht in Panik geraten und nicht selbst behandeln. Trinken Sie normal weiter, essen Sie an den folgenden Tagen keine Lakritzprodukte und erwähnen Sie die Menge bei der nächsten Vorsorge, wenn Sie besonders viel oder sehr konzentrierte Lakritze gegessen haben.
Eine ärztliche Rücksprache ist sinnvoll, wenn der Verzehr über Wochen täglich hoch war, wenn Sie bereits unter Bluthochdruck leiden oder wenn Beschwerden wie starke Kopfschmerzen, Herzklopfen, ungewöhnliche Muskelschwäche oder deutliche Wassereinlagerungen auftreten. Bei plötzlich starken Beschwerden wenden Sie sich direkt an den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder eine medizinische Notfallstelle.Ich würde außerdem nicht versuchen, den möglichen Effekt durch Kaliumtabletten, Entwässerungstee oder andere Hausmittel auszugleichen. In der Schwangerschaft können solche Maßnahmen mehr schaden als nutzen und gehören in ärztliche Hände.
So bleibt der Lakritzgeschmack ohne tägliches Risiko
Wenn Ihnen vor allem der herbe Geschmack gefällt, können Sie die Häufigkeit deutlich senken und auf andere Snacks ausweichen. Geeignet sind zum Beispiel ungesüßtes Popcorn, Nüsse, Naturjoghurt mit Obst oder kleine Portionen dunkler Schokolade, sofern Sie diese Lebensmittel gut vertragen.
Für mich ist die einfachste Regel die alltagstauglichste: Lakritz nicht als tägliche Gewohnheit einplanen, Starklakritz und Süßholzpräparate meiden und bei Unsicherheit die Zutatenliste prüfen. Eine einzelne Süßigkeit muss die Schwangerschaft nicht überschatten, aber regelmäßiges Naschen in großen Mengen sollte bis nach der Geburt warten.
Wenn Sie stillen, bleibt ein ähnlicher vorsichtiger Umgang sinnvoll, besonders bei sehr großen Mengen und konzentrierten Süßholzprodukten. Bei persönlichen Risikofaktoren oder wiederholtem hohem Verzehr kann die Frauenärztin oder der Frauenarzt die Situation anhand von Blutdruck, Beschwerden und Produkt besser einschätzen.